Allgemein · Herzgeschichten

Ohana

„Ohana means family and family means no one gets left behind or forgotten.“ Lilo & Stitch

Unterstützt werden.
Mama.
Kraft tanken.
Papa.
Zusammen weinen.
Brudi.
Zusammen lachen.
Großeltern.
Schmerzen ertragen.
Familie.
Fortschritte feiern.

Ich habe das Glück, dass die ganz großen Operationen schon viele, viele Jahre zurückliegen und ich mich somit an das meiste nicht mehr erinnern kann.
Was mir aber noch im Gedächtnis geblieben und mich bis heute sehr geprägt hat, ist die Beziehung die ich dadurch zu meinen Eltern und besonders zu meiner Mama habe.
Meine Mama war immer die, die mit mir im Krankenhaus war, in Wartezimmern gesessen hat, vor OP-Sälen gewartet und bis zur Narkose meine Hand gehalten hat.
Mein Papa war währenddessen zu Hause, hat auf meinen kleinen Bruder und besonders auch auf meine Mama aufgepasst. Sie nach zu langen Krankenhausschichten abgelöst, lecker für sie gekocht und alles bereit gemacht hat, wenn ich endlich wieder nach Hause kommen konnte.
So haben meine beiden Eltern ihre Rolle in dem ganzen Krankenhaus, Herzchenkind Chaos gefunden und alle beide haben dazu beigetragen, dass für mich im Nachhinein alles nur halb so schlimm in Erinnerung geblieben ist. 🙂

„I want to try everything
I want to try even though I could fail“ –  Shakira/ Zootopia

Da meine Mama schon recht jung gelernt hat mit dieser schwierigen Situation umzugehen, bin ich unendlich stolz auf sie und sie ist mein größtes Vorbild.
Trotz meiner Krankheit war sie nie eine Gluckenmutter, sondern hat mich früh alleine losziehen lassen, sodass ich meine eigenen Fehler und Erfahrungen machen konnte.
Dafür bin ich unendlich dankbar, denn sonst hätte ich nicht den Mut und die Kraft, komme was wolle, das zu erreichen was ich möchte und mit wären schon tolle Erlebnisse und Lebensentscheidungen entgangen, die mich zu der Elli gemacht haben, die ich heute bin.
Meine Eltern waren eigentlich ziemlich locker, durfte auf viele Partys, zu Freundinnen, Abends lange weg und habe nie Ärger bekommen, wenn ich am nächsten Tag nach diversen Getränken stinkend im Auto saß und es kaum erwarten konnte ins Bett zu fallen. Ich war auf jeder Klassenfahrt, jedem Schüleraustausch und auch in den Ferien schon sehr früh (ca. 5./6. Klasse) mindestens zwei Wochen alleine mit meinen Freundinnen im Urlaub. Ich wusste nie, dass das meinen Eltern bestimmt oft schwer gefallen ist, sie ab und an am liebsten gesagt hätten, bleib doch lieber zu Hause, trink nicht so viel, pass besser auf dich auf.
Das alles ist mir erst bewusst geworden, als ich nach dem Abi nach Australien geflogen bin. Einen Monat nach dem Abiball, frische 19 Jahre ging es für mich ans andere Ende der Welt. Meine Eltern waren total dafür, dass ich das mache, trotz allen Widrigkeiten und Steinen die mir in den Weg gelegt wurden, haben sie mich immer ermutigt diesen Traum wahr zu machen.
Während meiner fast sechs Monate am anderen Ende der Welt ist mir erst bewusst geworden, was das wohl für meine Eltern bedeutet hat. Meine Mama hat immer erzählt, dass sie bei mir im Zimmer auf dem Sofa sitzt und meine Bücher liest, wir haben Briefe geschrieben und sind in dieser Zeit noch mehr zusammengewachsen, haben uns noch mehr zu schätzen gelernt (vor allem ich meine Eltern ❤ ).
Obwohl ich nun schon ein paar Jahre nicht mehr Zuhause wohne, ist unsere Beziehung zueinander seit dem viel enger und noch wertvoller als vorher, wir verstehen uns super, wir können über alles reden und ich bin unendlich glücklich, dass meine Eltern mich trotz allem loslassen konnten.

Was ich damit auch sagen will ist, dass man sein Kind, gerade weil es chronisch krank ist nicht zu sehr beglucken und bemuttern sollte. Gerade weil man am Anfang oft eine sehr schwere und ungewisse Zeit durchlebt, möchte eine Mama/ möchten die Eltern ihr Kind beschützen. Aber auch wir müssen lernen mit unserer Behinderung, unseren Einschränkungen selbstständig und irgendwann auch alleine umzugehen. Das lernen wir nur, wenn unsere Mamas den Mut haben uns loszulassen. Nicht alleine lassen, immer hinter uns stehen, uns aufhelfen wenn wir fallen, aber uns auch mal fallen lassen, das alles müssen auch Kinder lernen die es vielleicht hier und da etwas schwerer haben. Aber auch wir schaffen das, werden uns durchsetzen, erreichen was wir uns wünschen und am Ende können wir zusammen stolz sein. 🙂

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2 Kommentare zu „Ohana

  1. Das ist soo schön. Es macht mir Mut, dass es Menschen gibt die ein so gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben. Bei mir ist das nicht so, meine Mutter z.B. war immer zu eng an mir dran und oft mache ich mir Gedanken darüber, wie ich das bei meiner eigenen Tochter besser gestalten kann. Ich habe ja diese (Erziehungs-)Muster gelernt und verinnerlicht und da muss ich manchmal sehr aufpassen meiner Tochter gegenüber, dass ich da nicht etwas weiter gebe, was ich lieber nicht weiter geben möchte. Besonders in Stresssituationen verfällt man schnell in diese Verhaltensweisen. Ich hoffe so sehr, dass es mir gelingt meiner Tochter Mut und Eigenständigekeit und inneres Vertrauen mit auf den Weg zu geben, auch wenn es mir selbst an vielen Stellen mangelt.

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    1. Ich, als Noch-Nicht-Mama, denke, dass es ein sehr schmaler Grad ist. Es ist schnell passiert, dass man seinem Kind „zu sehr auf der Pelle hängt“, ohne es böse zu meinen. Man muss sich da ja auch in gewisser Weise selbst zurücknehmen, seine Bedürfnisse, das Kind zu bemuttern, teilweise zurückstellen und so weiter. Aber ich denke, wenn man sich dessen bewusst ist und auch ab und an vor Augen führt, dass man den richtigen Weg für sich und sein Kind auch findet. Man sollte sich halt auch wieder nicht zu verrückt machen! 🙂

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