Allgemein · Herzgeschichten

Angst vor dem Tod

Übelkeit, die in mir hochsteigt. Langsam von den Füßen, die Beine hoch in den Bauch. Jetzt ist mir schon ganz schlecht, ich weiß nicht mehr wo oben und unten ist. Doch dieses Gefühl kriecht immer weiter, den Hals hoch. Es hat noch nicht genug, es schnürt mir den Hals zu, mein Herz fängt an immer schneller zu schlagen, ich habe das Gefühl es wird jeden Moment zerspringen und mir wird ganz heiß. Immer weiter, immer mehr bahnt es sich den Weg durch meinen Körper, durch meinen Kopf und meine Gedanken, bis ich das Gefühl habe meine Haarspitzen brennen, mein Gesicht kribbelt, wo fange ich an, wo höre ich auf? Bin ich wach, oder schlafe ich? Ich glaube ich falle, immer tiefer, alles wird schwarz, alles ist still und doch wütet ein tosender Sturm hinter meiner Stirn.
Was soll ich nur machen? Kann ich etwas machen? Wo ist meine Mama? Lebe ich noch? Was passiert dann? Löse ich mich auf? Bleibe ich in diesem Zustand, wird dieser tosende Sturm sich jemals beruhigen? Ich weiß es nicht. Ich muss hier raus, ich muss hier weg, ich muss zu meiner Mama. Ich brauche sie, ich muss ihre Stimme hören, nur in ihren Armen kann ich mich wieder beruhigen.
Dann wird alles wieder gut, ich weiß es, das war bis jetzt immer so. Oder ist es diesmal anders?

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Meine Mama hat mir erzählt, dass ich früher oft nachts aufgewacht bin, weil ich Angst vor dem Tod hatte, schlecht geträumt und dann mit solchen Gedanken aufgewacht bin. An früher kann ich mich nicht erinnern, aber ich weiß, dass ich dieses Gefühl bis zur sechsten/siebten Klasse noch ziemlich oft hatte. Teilweise bin ich dann wirklich abends oder nachts zu Mama und Papa gegangen, weil ich einfach solche Angst hatte, aber irgendwann habe ich mich das nicht mehr getraut, keine Ahnung, das klingt total blöd, aber ich hatte das Gefühl, dass das doof ist immer zu Mama und Papa zu rennen.
Ich weiß nicht woher diese Ängste kommen, was sie genau ausgelöst hat, aber auch heute, wenn ich über Nacht alleine bin und es mir nicht so gut geht, passiert es, dass mich dieses Gefühl übermannt.
Ich bin eigentlich nicht unglücklich oder ängstlich, vor allem lebe ich nicht mit dem Gedanken oder der Befürchtung jeden Moment sterben zu können.
Jedoch glaube ich, dass mich die verschiedensten Erlebnisse im Krankenhaus, auch nach den Operationen schon von klein auf mit diesem Thema und dieser Angst konfrontiert haben. Und ich liebe das Leben, vor allem liebe ich MEIN Leben und ich genieße jeden Tag, vielleicht war genau diese Liebe zum Leben, die diese Angst hervorgerufen, entstehen lassen hat.

Als chronisch Kranke macht man sich schon ab und zu mal Gedanken darüber, vielleicht auch mehr als andere junge Frauen in meinem Alter, aber es ist wichtig, dass man zum Einen über diese Ängste spricht und zum Anderen sich von diesen versucht nicht beherrschen zu lassen.
Tun was einem in diesen Momenten gut tut, sich von den Liebsten in den Arm nehmen lassen, durch das Lesen in eine andere Welt verschwinden, oder die beste Freundin anrufen und dann weiter schöne Momente erleben!

Klar ist, dass der Tod unweigerlich zu unserem Leben dazugehört, vielen macht er Angst, die Ungewissheit und dieses Endgültige. Vielleicht sind sich dessen chronisch Kranke schon eher bewusst als andere, aber wir alle müssen uns mit diesen Ängsten früher oder später konfrontieren und lernen damit umzugehen.

Eines weiß ich jedoch ganz sicher:
Ich liebe dieses Leben und genieße jeden Tag davon und versuche mir all die kleinen schönen Momente einzuprägen, denn diese Momente zählen und helfen, wenn die Angst kommt und droht dich zu übermannen. 🙂

Elli ❤

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