Allgemein · Herzgeschichten

Das andere Ende der Welt

Mein erstes großes Abenteuer bin ich nach meinem Abi angetreten. Und zwar bin ich 2012 einen Monat nach meinem Abiball für ein halbes Jahr als Au-Pair nach Australien geflogen! ❤

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Beachwalk Bondi Beach

Das war ein riesen Ding für mich! Viele meiner Mädelsclique wollten nach dem Abi weg. Als Au-Pair in die USA, oder als Backpacker nach Neuseeland. Auch ich war von dem Fernweh infiziert und habe mich bei diversen Agenturen beworben, die den Aufenthalt im Ausland planen, eine Familie aussuchen und die Au-Pairs sozusagen während der Zeit dort betreuen und so weiter. Ich hatte vorher extra mit meinem behandelnden Arzt gesprochen, dieser hat direkt sein OK gegeben und war von der Idee ebenso begeistert wie ich. Er sorgte dafür, dass ich einen Befund fürs Ausland und alles übersetzt bekam, was von medizinischer Seite notwendig war und, dass ich auch genug Vorrat an Medikamenten dabei hatte.

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Blue Mountains – Three Sisters

Dann kam der erste Rückschlag. Keine Agentur wollte mich vermitteln. Sie vermitteln keine Schwerbehinderten oder herzkranke Au-Pairs. Das wollte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen, telefonierte, erklärte und diskutierte, doch trotz der Bescheinigung meines Kinderkardiologen wollten sie keine Schwerbehinderte vermitteln. 😦
Das hat mich jedoch nicht von meinem Traum abgehalten und ich habe online nach einer anderen Lösung gesucht. Hier bin ich auch wieder so dankbar für die Hartnäckigkeit meiner Eltern, sie haben nie daran gezweifelt, dass ich einen Weg finde nach Australien zu fliegen und haben mich das auch immer spüren lassen.
So fand ich eine Internetseite, auf der man unabhängig von Agenturen nach Familien suchen kann. Und das tat ich dann auch. Dort habe ich mir dann ein Profil erstellt und alle möglichen Familien angeschrieben. Und unter einer der ersten, die ich angeschrieben habe, fand ich dann auch mein perfect match! ❤ Ich hatte auf meinem Profil nicht direkt angegeben, dass ich chronisch herzkrank bin, sondern wollte erst einmal unabhängig davon mit Familien in Kontakt treten. Als es dann jedoch immer ernster wurde, musste ich es natürlich irgendwann erzählen. Ich kann mich noch haargenau daran erinnern. Zusammen mit meiner Mama haben wir eine Mail verfasst, in der wir alles erklärt haben und ich setzte noch drunter, dass ich hoffe dass dies allem nicht im Wege stehen würde und schickte die Mail ab. Ich war so unendlich aufgeregt und habe zusammen mit Mama zitternd vorm PC auf eine Antwort gewartet. Der Zeitverschiebung geschuldet, war dabei natürlich Geduld gefragt – nicht gerade meine Stärke! 😉 Als ich dann aber endlich eine neue Mail in meinem Postfach hatte, habe ich diese zusammen mit Mama total aufgeregt gelesen. Ich war so unendlich glücklich, als ich las, dass sie mich trotzdem als Au-Pair wollten und wir haben dann das Ganze direkt dingfest gemacht.
Ich habe mich mit Papa zusammen um eine Auslandsversicherung, das Visum, einen internationalen Führerschein und natürlich um Flüge gekümmert. Alles rückte näher, ich wurde immer aufgeregter. Außerdem besorgte ich mich dann eine halbe Jahresration meiner Medikamente und machte mit meinem Kinderkardiologen aus, dass sobald etwas sein sollte,  ich mich zu jeder Tages- und Nachtzeit bei ihm melden könnte. Das war vor allem für meine Eltern gut zu hören, da ich ansonsten gesundheitlich ein halbes Jahr am anderen Ende der Welt ohne Hilfe klar kommen musste. Natürlich haben wir geskyped und viel geschrieben und auch meine Familie in Australien (Im folgenden werde ich sie family nennen) war immer für mich da. Aber mit einem solchen komplexen Herzfehler kann man nun mal nicht so einfach zum nächsten Hausarzt gehen.

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Sydney Botanical Garden – Harbour Bridge & Opera House

Kein halbes Jahr später saß ich alleine im Flieger nach Australien. Über 24 Stunden Reisezeit und einmal umsteigen. Ich war unendlich aufgeregt, als ich mit Hasi (Mein Kuscheltier, was ich schon immer habe und überall hin mitkommt, ins Krankenhaus und natürlich auch nach Australien) in den ersten Flieger gestiegen bin. Am Flughafen hat mich meine Familie tränenreich verabschiedet und ich bin voller Euphorie durch die Sicherheitskontrollen gegangen. Als ich in Singapur umsteigen musste, wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass ich soeben mein erstes großes Abenteuer angetreten bin.

Nach einer gefühlten unendlich langen Reise bin ich dann endlich in Sydney gelandet. Ich konnte es gar nicht glauben – Sydney, Australien, das andere Ende der Welt!! ❤

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Featherdale Wildlife Park

Ich wurde dort am Flughafen direkt von meiner family abgeholt und hätte glücklicher nicht sein können. Es hat mit uns einfach gepasst, wie Ar*** auf Eimer, es war einfach perfekt. Hand in Hand mit zwei meiner drei Gastkinder, einem dicken Rucksack auf dem Rücken und dem breitesten Grinsen im Gesicht haben wir zusammen den Flughafen in Sydney verlassen und ein neues Kapitel für mich aufgeschlagen. Ich habe mich von Anfang an Zuhause gefühlt und habe mich direkt als vollwertiges Familienmitglied gefühlt. ❤ Nie wurde ich als Angestellte behandelt, sondern wurde zu Familienausflügen mitgenommen, mein Dad hat mich nachts vom Bahnhof abgeholt, weil er nicht wollte, dass ich zu lange alleine umherfahre und habe einfach dazugehört. Das war so toll! 🙂

Ich habe in einem Vorort in der Nähe von Sydney gewohnt und dort die aufregendste Zeit meines Lebens erlebt, bis jetzt! 😉 Ich habe mein Herz an meine family, das Land und die Leute allgemein verloren. Das andere Ende der Welt ist einfach atemberaubend schön! ❤

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Whitsundays – Daydream Island

Leider ist natürlich auch hierbei nicht alles glatt gelaufen. Nach guten vier Monaten wurde ich ziemlich oft krank. Ich war total schlapp, hatte Druck auf der Brust und bekam zeitweise richtig schlecht Luft. Außerdem waren zu der Zeit meine Blutwerte (Ich nahm damals noch Marcumar, einen sehr starken Blutverdünner und musste mit einem Gerät regelmäßig die Dicke meines Blutes – INR – messen.) eine absolute Berg- und Talfahrt. Also bin ich mit meinen ganzen Unterlagen und Co zum nächsten Arzt in unserem Stadtteil gegangen. Das war vielleicht was!🙉 Der gute Herr Doktor hat natürlich erst einmal ein EKG gemacht und daraus geschlossen, dass ich eine Brustinfektion habe. Schon während seiner Diagnose wusste ich, dass der Gute leider überhaupt nicht verstanden hat, was ich überhaupt habe. Also habe ich ihn gefragt, ob wir aufgrund meiner Vorgeschichte nicht lieber auf Nummer sicher gehen wollen und ich noch zu einem Kardiologen gehen könnte. Das hat er aber vehement abgelehnt, meinte dass das gar nicht nötig sei und auch meine Werte wären gar nicht schlimm. Also bin ich, mit einer Packung Antibiotika, wieder nach Hause gegangen und habe sofort meinen Kinderkardiologen angerufen. Ich habe keine Ahnung mehr, wieviel Uhr es zu der Zeit in Deutschland war, aber ich hatte ihn direkt am Telefon. Dem hat das alles gar nicht gefallen und meinte, dass ich wohl früher nach Hause kommen müsste, wenn es mir nicht bald besser geht! 😦 Das war leider der Fall, mein Papa musste meine Flüge umbuchen und ich musste nach fünf Monaten mein Abenteuer Australien früher als geplant abbrechen. Ich war so traurig!!!😶 Auch meiner family fiel das schwer. Wir konnten es uns einfach nicht mehr vorstellen, dass ich plötzlich so viel früher gehen musste.

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Blackheaded Python

Ich weiß, dass es die beste Entscheidung war, vor allem für meine Gesundheit und ich bin auch ein bisschen stolz, dass ich mich überwunden habe und vernünftig war.

Als ich dann zu Hause angekommen bin, hatten wir relativ schnell einen Termin im Uniklinikum in Homburg, wo dann aus einer geplanten ambulanten Behandlung ein stationärer Aufenthalt wurde. Um meine Probleme zu lösen, musste auch eine Katetheroperation durchgeführt werden. Hierbei wird durch die Beinarterie eine Art Schlauch bis zum Herzen eingeführt und somit minimal invasiv operiert. Außerdem wurden noch viele weitere Tests gemacht und ich wurde von Marcumar auf ASS 100 umgestellt. Danach ging es mir dann langsam immer besser und ich hatte wieder eine Bestätigung, dass es die richtige Entscheidung war früher nach Deutschland zurück zu fliegen.

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Sydney Tower – Sonnenuntergang

Trotzdem war Australien einfach ein wunderbares Erlebnis, was ich niemals missen möchte. Es hat mich sehr geprägt und mich auch um einiges erwachsener werden lassen. Ich bin so froh, dass ich nicht aufgegeben habe und es trotz allem geschafft habe diesen Traum wahr zu machen! 🙂

Elli ❤

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4 Kommentare zu „Das andere Ende der Welt

  1. Guten morgen Elli! Also ich würde am liebsten jetzt weiter lesen und deine Abenteuer von dort erfahren 🙂 ….es ist so schön sich woanders heimisch zu fühlen…ich habe auch so Orte in Amerika…die Liebe ich einfach….kennst du den Film „Happiness Projekt“? Der Kommt glaub nächste Woche in die Kinos für nur ein paar Tage….musste da grad dran denken :)….und ich freu mich für dich, dass du dich richtig entschieden hast!!!!!!!

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    1. Guten Morgen!! 🙂
      Das ist gut zu wissen, vielleicht kann ich ja noch zusätzlich über das Ein oder Andere ausführlicher schreiben. 🙂
      Behalte ich mir gerne im Hinterkopf! 🙂
      Den Film kenne ich nicht, aber werde später direkt mal schauen! 🙂
      Ich finde es auch sehr schön sich woanders heimisch zu fühlen, aber auf der anderen Seite ist das auch schwer, wenn man nicht so oft und schnell wieder zurückkommt… Aber ich bin definitiv glücklich mich das damals getraut zu haben! 🙂
      Glg

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  2. Huhu, beim Stöbern auf deinem Blog, bin ich grade hierrauf gestoßen. Ich liebe Sydney auch so sehr 🙂 Meine Patentante lebt in einem Vorort von daher war ich in den Sommerferien auch schon mal da (leider mittlerweile schon viel zu lange her). Eigentlich wollte ich nach dem Abi auch nochmal hin, dass hat aber leider nicht geklappt, da ein Wechsel meines Schrittmacher anstand und jetzt nach dem Studium hatte ich einfach kein Geld dafür, leider.
    Ich war damals auch in dem Wildlife Park, der war toll und bei den three Sisters. Schade dass du es abrechen musste, aber Gesundheit geht nun mal vor. Ich hoffe ich schaffe es irgendwann in den nächsten fünf Jahren nochmal dahin. Jetzt kommt erstmal meine Tante auf Deutschland Besuch. Eine Frage, wann bist du die fünf Monate da gewesen? Als da Hochsommer war? Also so 40 grad, wenn ja wie bist du dann da mit der Hitze klargekommen?
    An alle anderen die in die Richtung was planen, meine Tante meint man braucht keine Agentur weder für work and Travel noch au Pair, die wollen nur Geld sehen. Australien und die Australier haben ein easy going Lebensgefühl, das heißt wenn man da z.b. auf eine Farm kommt und man helfen will, bekommt man auch Arbeit. Man ist also auf die vermittlungsarbeit der Agenturen nicht angewiesen. Es hilft einfach mal im Internet zu recherchieren, wie Elli es gemacht hat.

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    1. Oh wie schön!! Wo genau, wenn ich fragen darf? Ich habe damals Richtung Blacktown gewohnt, vllt sagt dir das ja was?!:)
      Ich war von April bis September dort, also war es nicht soo heiß. Auf mejnen Reisen war ich aber auch oft im warmen/heißen Norden, was mir aber nichts ausgemacht hat. Erstaunlicher Weise, denn hier in Deutschland habe ich schon im Sommer immer Probleme mit der Hitze. Aber ich hatte das Gefühl, dass die Hitze dort unten anders ist, zumindest an der Küstenregion, einfach durch das viele Wasser ist das Klima so anders, dass es nicht so sehr belastet?! Das war zumindest meine Theorie 😜
      Das kann ich wirklich nur bestätigen!!! 😊😊
      Glg

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