Allgemein · Herzgeschichten

schwerbehindert / chronisch krank im Alltag

Ein weiteres Thema, was ich sehr wichtig finde und über welches ich immer noch Neues dazulerne ist das alltägliche Leben an der Uni (das gilt wahrscheinlich auch für eine Berufsausbildung, Arbeit etc.).

In meiner Schulzeit habe ich alles ganz normal mitgemacht wie alle anderen, wenn ich längere Zeit krank war, dann hatte ich einen Attest vom Arzt und ich bin einfach wieder in die Schule gegangen, wenn es mir wieder besser ging.
Ein Luxus wie ich schnell feststellen musste, als ich anfing zu studieren.
An Unis ist alles teilweise sehr verallgemeinert, du bist einer von vielen Hunderten im Semester eines Studiengangs und fällst normalerweise nicht auf. Kein Dozent kennt dich wirklich beim Namen, kann dich zuordnen oder erkennt dich wieder. Es gibt gewisse Vorschriften, an die man sich halten muss, Anmeldefristen, Klausurtermine, Abgabetermine und Anwesenheitsregeln. Man betritt dieses gigantische System mit einer Nummer, absolviert alles unter dieser Nummer und im besten Falle verlässt man das System irgendwann mit einem Abschluss.

Klingt alles ganz einfach, strukturiert, organisiert, leicht zu verstehen und zu durchlaufen. Das ist es auch – wenn man nicht chronisch krank und somit eine besondere Ausnahme ist.
Bevor ich nach Frankfurt gezogen bin, habe ich mein Studium bereits an einer anderen Uni begonnen und da hat dann auch das ganze Dilemma „schwerbehindert, chronisch herzkrank studieren“ für mich angefangen.
Zu Beginn habe ich mir darüber gar keine Sorgen gemacht. Ich war einfach froh, dass ich einen Studienplatz hatte, mit meiner Mama eine nette WG in Uni-Nähe gefunden habe und auch schnell Kontakte zu anderen Studierenden knüpfen konnte.
Bis ich dann das erste Mal krank wurde. Das war gar nichts wildes, irgendein grippaler Infekt oder sowas. Aber auf jeden Fall nichts, womit man sich in die Uni schleppen sollte und das schon dreimal nicht, wenn man chronisch herzkrank ist. Dann heißt es auskurieren, bloß nichts verschleppen.

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Genau das wurde dann an meiner alten Uni zum Problem, da ich dadurch die vorgeschriebene Anzahl von Fehlzeiten überschritten hatte. Also bin ich zu der Dozentin, wollte mit ihr drüber sprechen. Diese reagierte sehr nett und verständnisvoll und meinte, dass ich dann als Ausgleich eine extra Aufgabe machen sollte  (was es genau war weiß ich nicht mehr, nur dass es mega viel Arbeit war! 😀 ), um trotzdem mein Modul bestehen zu können. Das habe ich dann aus Verzweiflung dankend angenommen und dachte, dass sich das alles damit erledigt hat.
Schön wäre es gewesen!
Am Ende des Semesters kam und kam einfach keine Rückmeldung von ihr, alle anderen aus meinem Kurs hatten bereits die Bestätigung des bestandenen Moduls, nur ich nicht. Also habe ich versucht mit ihr Kontakt aufzunehmen. Als nach mehreren Wochen einfach keine Rückmeldung kam, habe ich auf Anraten von C versucht jemanden zu finden, der für solche Probleme zuständig ist. Ergebnis; an dieser Uni gab es keinen Zuständigen für solche Angelegenheiten, keine Möglichkeiten auf Nachteilsausgleiche, nichts. Ich habe bis heute noch keine Rückmeldung dieser Dozentin bekommen und ärgere mich natürlich auch, dass ich mir dann noch mehr arbeit gemacht habe, da ich die Zusatzaufgabe gemacht habe.
Naja gut, das konnte ich dann nicht mehr ändern und ich wollte ja sowieso nach Frankfurt wechseln,weshalb dann meine Priorität war, mich zu informieren ob es hier Ansprechpartner für Schwerbehinderte gibt.

Ich bin unglaublich glücklich, dass dem so ist, dass es hier jemanden gibt, der dir hilft, wenn du Probleme hast. Besonders die Möglichkeiten von verschiedensten Nachteilsausgleichen ist für mich ein Segen.
Ich habe mich also mit der Ansprechpartnerin ausgetauscht und wir haben zusammen beschlossen, dass ein Nachteilsausgleich für Fehlzeiten für mich am besten wäre. Es ist einfach nicht besonders förderlich, wenn ich trotz Krankheit in die Uni gehe, oder aufgrund dessen manche Module mehrfach machen muss.
An der Uni gab es diesen Fall noch nicht, dass jemand einen Nachteilsausgleich für die gesamte Zeit des Studiums bewilligt bekommen hat, denn meist wird dies nur zeitweise bewilligt. Jedoch war meine Ansprechpartnerin sehr nett, verständnisvoll und auch engagiert eine Lösung für mich zu finden.

Ich kann es wirklich nur jedem raten, sich genaustens darüber zu informieren, was einem gegebenenfalls zusteht. Für mich persönlich war es auch eine riesige Überwindung das alles zu beantragen, ich fühle mich dann immer, als würde ich mir eine Extrawurst erschleichen. Aber da muss man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass es das genau für solche Fälle gibt, es wird sehr ausführlich geprüft und nicht jeder der solch einen Antrag stellt, bekommt diesen auch bewilligt.
Mittlerweile habe ich mich an meine „Extrawurst“ gewöhnt, weiß sie zu schätzen und schäme mich auch nicht mehr mit anderen darüber zu sprechen. Ich freue mich einfach, dass das Ende meines Studiums laaangsam näher rückt und ich dank dieses Nachteilsausgleich eine große Last weniger in meinem Studium überwinden muss. 🙂

Kennt ihr solche Situationen? Welche „Extrawürste“ haben euch schoneinmal unglaublich geholfen? 

Auf bald,

Elli ❤

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10 Kommentare zu „schwerbehindert / chronisch krank im Alltag

  1. Hey Elli,
    Ich bin mit meinem Studium schon fertig und bei mir an der Uni in Siegen gab es einen schwerbehindertenbeauftragten. Da konnte man dann ggf Nachteilsausgleiche beantragen. Ich hab allerdings keine gebraucht, da an meiner Uni keine Anwesenheitspflicht mehr gibt, d.h. wenn man mal öfters krank war, ist das nicht so problematisch gewesen wie bei dir.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg im Studium. Kleinen Tipp an andere… wenn ihr über 25 seid und eine Schwerbehinderung habt, könnt ihr weiterhin Kindergeld beziehen, wenn ihr studiert und dadurch nicht nebenher arbeiten könnt ,(aufgrund Belastung etc) ,das ist zwar ziemlicher Papierkram, aber hilft einem auch schon mal. Und falls ihr Bafög bezieht, kann man das auch über Regelstudienzeit bekommen ohne das es voll zurückgezahlt werden muss. Ich hab ein Semester länger gebraucht.
    An alle herzchen die in Studium, Ausbildung stecken, weiterhin viel Erfolg.
    Ich bin grade in der Bewerbungsphase und das ist auch nicht soo einfach.
    Liebe Grüße
    Bianca

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    1. Hi Bianca,
      Vielen Dank für dein Kommentar 🙂
      Das ist ja verrückt, wie unterschiedlich das immer an den verschiedenen unis ist! Dein Tipp ist auch super, da ich nächstes Jahr auch schon 25 werde. Wie viel früher muss ich mich denn darum kümmern und an wen wende ich mich da?
      Dir viel Glück bei deiner weiteren Suche!:)
      Glg, Elli ❤

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      1. Also bei mir lief das über die Familienkasse, da kann man einen Antrag dazu bekommen. Ich würde diesen sicherheitshalber mal 3 Monate vorher stellen, damit auch alles glatt läuft, evtl muss man nämlich auch ein Widerspruch einlegen. Ich hab von meiner Klinik wo ich behandelt werde auch ein ärztliches Gutachten ausstellen lassen, dass ich aufgrund der erkrankung neben dem studium nicht arbeiten kann.
        Viel erfolg
        LG

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  2. Hey

    Ich habe mich mal etwas eingelesen hier und kann zu dem Thema berichten, dass es keinen Sonderausweis braucht, um die berüchtigte ‚Extrawurst‘ zu bekommen. Lag bei mir aber an mehreren Faktoren. Erstmal war ich die, die in den Seminaren aufgefallen ist. Da sind die Profs und Dozenten dann eher geneigt, bei Abgabeterminen, Umfang von Leistungen oder auch mal „ach das unterschreibe ich Ihnen, das dient ja ‚der Sache'“ ein Auge zuzudrücken. Weil sie einem quasi die gute Leistung im Vorfeld bestätigen. War angenehm 😉

    Dann noch dazu schwanger/mit Kindern. Da waren alle an der Uni sehr verständnisvoll, wenn man mal mehr Sitzungen als erlaubt verpasst hat. Ich glaube, du hattest mir der ersten Dozentin einfach Pech. Bei diesen sehr arbeitslastigen Regelungen, die mir auch mal angeboten worden waren, habe ich immer dankend abgelehnt. Dann lieber den Kurs bei jemand anderem nochmal, wo man weiß, dass sich alles unkomplizierter regeln lässt.

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    1. Ja, ich denke auch, dass es einfach Pech war. In dem Moment, als ich dann aber festgestellt habe, dass es halt auch anders geht war es schon ärgerlich für mich und ich fand es einfach so sinnlos.
      Naja, ist ja vorbei und ich habe die andere Möglichkeit bekommen! 🙂
      Studieren mit Kind/schwanger ist ja gerade im Lehramt (zumindest erlebe ich das so) sehr häufig und ich finde es auch gut, dass die Dozenten da so nett sind und es trotzdem möglich machen zu studieren! 🙂
      Glg ❤

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      1. Es gibt leider immer wieder Menschen, die sich über diese ‚Machtpositionen‘ profilieren müssen und etwas für ihr Selbstwertgefühl tun. Auf Kosten von denen, die ihnen dann ausgeliefert sind. Oder aus falsch verstandenem Standard-Denken. Oder weil sie ihre Launen gerne ungefiltert weitergeben … oder … ihnen passt deine Nase nicht. Man kann echt einfach an den Falschen geraten (wie in deinem Praktikum).
        Studieren mit Kind fand ich gut. Besonders in der frühen Phase bietet sich das an (retrospektiv gesehen ^.^ aber hinterher ist man ja immer schlauer 😀 ). Und es wird einem an den meisten Unis da auch viel ermöglicht.

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