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Die drei Sonnen – Cixin Liu

Allgemeines:
Titel: Die drei Sonnen*
Autor: Cixin Liu
ISBN: 978-3-453-31716-1
Preis: € 14,99 [D] € 15,50 [A] CHF 20,50
Seitenzahl: 592 Seiten
Verlag: Heyne
Gelesen vom 17.05.2017 bis zum 25.05.2017

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Random House

 

Inhalt:
Der chinesische Physiker Yang Miao gerät in den Sog internationaler Ermittlungen gegen eine Geheimorganisation, die mit zahlreichen Selbstmorden führender Wissenschaftler in Verbindung stehen soll. Bald lassen unerklärliche Erscheinungen auch ihn an seinem Weltverständnis zweifeln. Weitere Nachforschungen sowie ein mysteriöses Computerspiel lassen Zusammenhänge erscheinen, die ihre Wurzeln in der kommunistischen Vergangenheit Chinas haben, aber bald das Schicksal der ganzen Welt beeinflussen…

Meine Meinung: **
“Die Drei Sonnen” ist eines der ersten Science-Fiction-Machwerke, die es in unsere westliche Welt geschafft haben, daher wurde auch dieses Buch von einem entsprechend großen und oftmals positivem Presseecho begleitet. Als Sci-Fi und Fantasy-Fan war auch ich sehr gespannt, wie sich ein solcher Roman aus Fernost liest und habe mich gefreut dieses Rezensionsexemplar lesen zu dürfen. Cixin Liu schafft es ein unerwartet breites Spektrum an Themen und Settings in diesem ersten Teil einer Trilogie unterzubringen: neben der politisch brisanten Zeit der chinesischen Kulturrevolution, bei der selbst wissenschaftlichen Fakten eine ideologische Botschaft vermitteln mussten, spielt ein Großteil der Handlung in der Gegenwart. Während sich manche Etappen wie ein Krimi lesen, vermitteln andere das Bild einer historischen Dokumentation, spätere Handlungen könnten auch genau so in einem Militärthriller stehen. Das Ganze wird dann noch durch Abschnitte in einer surrealen Computerspielwelt und retrospektive Interviews, sowie durch regelmäßige Wechsel der Erzählerperspektive ergänzt. Teilweise gelingt es Liu dadurch Mikrokosmen innerhalb der Handlung zu erschaffen, die durch Detailverliebtheit und ihre besondere Stimmung (z.B. der Aufenthalt in einem armen chinesischen Bauerndorf), eine gewisse Abwechslung und Unvorhersehbarkeit einbringen. Das schafft einen nötigen Ausgleich zu den phasenweise sehr detaillierten, manchmal aber auch arg konstruierten Ausflügen in die Astro- und Quantenphysik. Die Handlungsstränge finden dabei weite Teile auf verschiedenen Zeitebenen statt, sodass mir erst spät klar wurde, wer nun der Protagonist der Handlung ist. Diese ist dennoch nicht zu kompliziert und gut verfolgbar, teilweise auch originell. Schwierig war es jedoch, sich die ungewohnten chinesischen Namen zu merken und korrekt zuzuordnen. – mehr als einmal musste ich zurückblättern und nachschauen. Das ist mir aber lieber als die Personen künstlich in Herbert und Susanne umzubenennen. Eine großartige Identifizierung mit den Protagonisten ist mir beim Lesen schwer gefallen. Das Handelnd und denken vieler Charaktere ist stark von Kommunismus und der Zugehörigkeit einer wissenschaftlichen Elite geprägt, dazu kommen noch kulturelle Unterschiede, was dazu führt, dass sich das Buch teils exotisch und neuartig liest, auf der anderen Seite aber eine emotionale Involvierung verhindert. Lediglich ein Charakter, der Polizist Shih Qiang, ist durch sein dreistes Auftreten als genialer und schmerzfreier Haudegen eine teilweise etwas überzogene aber humorvolle Bereicherung. Yang Miao, der Protagonist, bleibt dagegen sehr farblos. Sprachlich macht sich im Roman oft bemerkbar, dass das Buch direkt aus dem Chinesischen übersetzt wurde. Trotz vieler Versuche einer detaillierten und abwechslungsreichen Wortwahl, klingen weite Teile der Erzählung etwas holprig und irgendwie leicht unrund. Gegen Ende nimmt die Erzählung, nach zeitweisen Durststrecken in der ersten Hälfte, spürbar an Fahrt auf und überrascht mit einem kreativen aber leicht übertriebenem Perspektivwechsel. Leider wurde mir erst auf der letzten Seite klar, dass das Buch Auftakt einer Trilogie ist, und mich musste mich mit einem argen Cliffhanger und einem leicht unbefriedigtem Gefühl zufriedengeben.

Fazit:
Cixin Liu “Die Drei Sonnen” ist vor allem für Science-Fiction-Freunde ein erfrischender und neuartiger Ansatz der Materie. Ich denke, dass aber auch andere Leser an der weit gefassten und abwechslungsreichen Erzählung Gefallen finden könnten. Rückblickend ist genau das aber auch ein kleiner Schwachpunkt: durch die kosmische Breite der angesprochenen Themen und Handlungen bleibt stellenweise das Gefühl, dass man gerne mehr und ausführlicher gelesen hätte. Dafür sind andere Etappen, oft auch die physikalischen, ausschweifend und manchmal unglaubwürdig. Des Weiteren hätte einigen Hauptcharakteren auch mehr Charisma gut getan, was vielleicht eine sehr westliche Ansicht ist. Gut fand ich, dass sowohl philosophische als auch naturwissenschaftliche, ethische, politische und historische Gesichtspunkte angesprochen und passend in den Plot eingearbeitet worden, was dem Buch ausreichenden Tiefgang verleiht. Dennoch geht durch die Übersetzung aus dem Chinesischen eine gewisse Finesse verloren und man vermisst den letzten sprachlichen Schliff. Alles in allem freue ich mich auf die nachfolgenden Teile und vergebe 4 von 5 Herzen.
4-herz

* Rezensionsexemplar

** Diese Rezension wurde von C. geschrieben! 🙂
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