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Herzkatheter III – Der „OP“-Tag

(FREITAG)
Am Tag der OP konnten wir beide zum Glück relativ lange schlafen, da wir ja erst gegen 9:00 Uhr auf der Station sein mussten. Wir haben uns für circa 8:00 Uhr den Wecker gestellt, sind gemütlich aufgestanden und haben uns fertig gemacht. Das Fertigmachen ging dann ja recht schnell, weil ich nur duschen musste, nicht schminken und vor allem nicht frühstücken, was bei mir sonst immer die meiste Zeit in Anspruch nimmt! 😀 Ich muss auch gestehen, dass ich direkt zu Beginn relativ schlecht gelaunt war…wie manche morgens ihren Kaffee brauchen, bevor sie angesprochen werden können, ist das bei mir halt einfach ein ordentliches Frühstück! 😀

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Wartezimmerromantik

Gegen 9:00 Uhr waren wir dann wie besprochen auf der Station und ich habe mich im Schwesternzimmer angemeldet. Wir wurden dann zuerst wieder ins Wartezimmer geschickt und ich habe uns da schon wieder, wie am Tag davor, stundenlang sitzen sehen. Aber nach vielleicht 15 Minuten wurden wir dann schon in den Untersuchungsraum gerufen. Dort habe ich zuerst einen Zugang gelegt bekommen, wurde gefragt wie es mir geht und wir haben über den Zeitplan geredet. Ich sollte an dritter Stelle dran kommen und aktuell war noch das erste Kind im OP, sodass ich mich innerlich dann schon auf mindestens eineinhalb Stunden Wartezeit eingestellt habe.

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Hungrig beim Zugang legen

Aber quasi während wir darüber gesprochen haben, kam ein anderer Arzt aus dem OP in den Untersuchungsraum (wahrscheinlich hatten sie gerade das erste Kind hoch gebracht, denn er hatte die Notfalltasche dabei, die immer zum OP und hoch auf Station mitgenommen wird) und meinte, dass ich als nächstes in den OP soll. Darüber hatte ich mich natürlich mega gefreut. So mussten weder ich noch C so lange warten. Das war wirklich super.
Dann folgte gleich die nächste positive Überraschung. Ich wurde dann also direkt zu meinem Zimmer gebracht, weil man eigentlich immer mit „seinem“ Bett runter in den OP geschoben wird. Und ich habe einfach ein Einzelzimmer bekommen! Das ist ja sowieso immer schon ein absoluter Luxus, aber als Erwachsene auf der Kinderstation ist es nochmal toller. Ich liebe Kinder und auch Babys, aber wenn ich im Krankenhaus liege ist es halt einfach nicht so angenehm oder erholsam mit schreienden Babys oder diversen fremden Familienmitgliedern in einem Zimmer zu liegen. Also allgemein ein super Start! 🙂
Dann kam auch direkt eine Schwester, die mich zusammen mit C in den OP-Bereich geschoben hat.

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Noch schnell Haare flechten, bevor es in den OP geht.

Wahrscheinlich gegen 10:00 Uhr waren wir dann unten im OP. Dort wurden gerade die letzten Sachen von der OP vor mir sauber gemacht und ich konnte mich dann auch gleich schon fertig machen.
Das heißt, dass alle raus sind, während ich mich alleine im OP umgezogen habe und dann ganz schick im OP-Hemdchen alle wieder reingelassen habe. (Eigentlich auch total albern, dass ich mich da dann so alleine fertig gemacht habe, wenn ich im Anschluss, vielleicht 5 Minuten später, splitternackt auf dem OP-Tisch liege. Aber wahrscheinlich ist das einfach um den Schein ein bisschen zu wahren! 😉 )
C war mit im OP und hat bei den Vorbereitungen zuschauen können, bis er dann kurz bevor es los ging rausgeschickt wurde. Sobald dann die Tür wieder zu war, lag ich auch schon nackig, bis auf ein kleines Tüchlein, auf dem Tisch, wurde mit Antiseptikum eingeschmiert und ein riesiges, blaues, steriles Tuch mit einem kleinen Fenster im Leistenbereich wurde über mir ausgebreitet.
Damit ich auch alles ordentlich sehen und bequem liegen konnte, hat mir der Anästhesist eine bequeme Kopfstütze gebracht und ich hatte einen perfekten Blick über das ganze Geschehen. Obwohl ich eigentlich echt ziemlich entspannt war und gar nicht nervös habe ich noch eine kleine „Scheißegal-Spritze“ bekommen, von der mir kurz ein minibisschen schwindelig wurde, ich aber nicht benebelt war oder so.

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Mein „Ich habe ein Einzelzimmer“-Gesicht

Kurz danach habe ich dann ein paar Betäubungsspritzen in die Leiste bekommen. Abgesehen davon, dass eine ein bisschen explodiert ist und mir meine extra frisch geputzte Brille dreckig gemacht hat 😉 , ging das echt reibungslos. Die Spritzen an sich haben auch eigentlich nur wenig gepikst, ähnlich wie eine Impfung, aber dann hat es angefangen zu kribbeln und hat ziemlich gebrannt und auch wie an der Haut gezogen. Dass der Katheter eingeführt wurde habe ich gar nicht gemerkt, es hat nur zwischendurch mal kurz unten an der Leiste weh getan, wenn der Arzt bisschen zu motiviert alles hin und her geschoben hat! 😀
Links von mir stand eine riesige Bildschirmwand mit bestimmt acht Bildschirmen, auf denen ich alles ganz genau verfolgen konnte. Wenige Augenblicke nach den Betäubungsspritzen konnte ich schon einen kleinen Faden auf dem Bildschirm erkennen und habe gefragt, wo das gerade im Körper ist und er meinte, dass er schon in der oberen Hohlvene ist. Das fand ich total verrückt, dass er gefühlt innerhalb von Sekunden mit einem meterlangen Schlauch von meiner Leiste bis zu meinem Herz gewandert ist, ohne dass ich davon etwas gemerkt hätte.
Allgemein habe ich den Katheter selbst zu keinem Zeitpunkt gespürt. Ich habe bei der Vorbesprechung gesagt bekommen, dass es mal bisschen zwicken könnte, oder dass das Herz auch mal stolpern könnte, aber das hatte ich alles gar nicht!
Dann kam auch schon die erste Dosis Kontrastmittel. Das war schon bisschen unangenehm. Also nicht schmerzhaft, aber es wurde so ein bisschen heiß im Kopf und ich hatte das Gefühl, dass ich mir dadurch in die nicht vorhandene Hose gemacht hätte. Ich war mir wirklich zu 100% sicher, sodass ich die OP-Schwester gebeten habe nachzusehen, aber da war nichts. Ich war ganz verwirrt, weil ich mir SO sicher war und das Gefühl des „Einpinkelns“ wirklich so echt war! 😀
Schon während des Katheters meinte der Arzt immer wieder, dass es sehr gut aussieht, dass ich kaum und wenn nur sehr kleine Kollateralen habe und meine Werte quasi perfekt wären! 🙂
Nach gefühlten fünf Minuten (wahrscheinlich waren es eher so 30 – 45 Minuten) hat er dann schon den ellenlangen Katheterschlauch herausgezogen und mir einen ordentlichen Druckverband gemacht. (Bis heute rätsel ich im Nachhinein, wie er diesen Verband angebracht hat. Ich hatte natürlich den Oberschenkel verbunden, welchen er wahrscheinlich einfach angehoben hat, aber ein Teil des Verbands ging auch über meinen Bauch und Rücken und eigentlich hatte ich mich zum Verbinden nicht hingesetzt! 😀 Aber okay, es wird wohl ein Rätsel bleiben! 😉 )

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Cs „Elli ist im OP und ich warte“-Nachricht an meine Mama

Nachdem wir mich dann mit vereinten Kräften (ich konnte mein eines Bein keinen Millimeter bewegen) wieder in mein Krankenhausbett verfrachtet hatten, ging es auch schon mit Dr. P gemeinsam nach oben, wo C schon im Zimmer gewartet hat. Er war aber total überrascht, dass ich nach einer guten Stunde, es war wahrscheinlich circa 11:00 Uhr, schon wieder „fit“ auf dem Zimmer angeschoben wurde. Da habe ich ihm dann natürlich erstmal berichtet, erzählt wie es war wach im OP zu liegen und mich darüber beschwert, dass ich mein rechtes Bein nicht spüre und ich mich nicht bewegen darf! 😀

Gegen 12:00 Uhr gab es dann auch Mittagessen und ich konnte ENDLICH wieder was essen! 😀 Zwar habe ich mich mehr über die Schokolade im Anschluss an das Mittagessen gefreut, aber es ist immer wieder ein tolles Gefühl nach einer OP endlich essen zu können! 😛

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Endlich wieder Essen

Gegen 13:00 Uhr kam dann auch meine Mama von der Arbeit und wir haben uns erstmal darüber unterhalten, dass es schon seltsam war so ohne einander. Sowohl für sie, dass sie erst danach kommt, wenn alles vorbei ist, dass sie nicht mit in den OP kommen konnte und nicht die erste war, die mich nach dem Aufwachen gesehen hat (was sich ja dieses Mal sowieso erledigt hatte), als auch für mich. Ich war es ja immer gewohnt mit Mama, sie hat mir immer Sicherheit gegeben. Aber ich muss sagen, dass C das auch wahnsinnig souverän gemacht hat. Er war zu keinem Zeitpunkt mega aufgeregt oder ängstlich – wenn, hat er es mich nicht spüren lassen – und war auch direkt nach dem Katheter direkt super hilfreich und liebevoll und hat sich ganz toll um mich gekümmert, auch wenn es teilweise nur ein bisschen Händchen halten oder einfach „Da-sein“ war.
Mama und C sind dann noch zum Bäcker gegangen, haben mit ein bisschen was Süßes mitgebracht und dann ist Mama auch am frühen Abend wieder nach Hause gefahren.

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Sättigung messen am Katheterbein

Gegen 18:00 Uhr kam dann Dr. P noch einmal zur Nachbesprechung. Er meinte, dass die Ergebnisse eigentlich nicht besser sein könnten! Das heißt, dass mein Lungendruck sehr niedrig ist, meine Pumpfunktion und Blutflüsse sehr gut sind und ich auch nur minimale kleine Kollateralen hatte, die alle nicht geschlossen werden mussten. Mein Zustand aktuell könnte also nicht besser sein! JACKPOT! 🙂 Er hatte das wohl schon so erwartet aufgrund unseres Vorgesprächs und meines Allgemeinzustandes, aber die Ergebnisse hätten das dann halt nochmal bestätigt, was ja einfach super ist und ich am nächsten Tag dann auch schon nach Hause könnte! 🙂

Kurz danach gab es dann auch schon Abendessen und C und ich haben im Anschluss daran nur noch ein bisschen zusammen ferngeschaut und mich dann recht früh bettfertig gemacht. Ich wollte einfach, dass der Tag rum ist, sodass ich mich am nächsten Tag wieder bewegen und vor allem alleine aufs Klo gehen kann! 😀 Ich hatte mittlerweile nämlich ziemliche Schmerzen, sowohl im Bein, als auch im Rücken durch das viele Liegen, sodass ich zum Einschlafen noch eine ordentliche Dosis an Schmerzmitteln bekommen habe! 😛

>> II – Tag der Voruntersuchungen

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